Praktikum in der Physiotherapie: 320 der 1.600 Stunden bleiben für eine ambulante Praxis
Die praktische Ausbildung umfasst 1.600 Stunden – aber 1.280 davon sind fest an Klinikfachbereiche gebunden. Für eine ambulante Praxis bleiben 320. Wer das weiß, sucht anders und fragt anders.
Wer „Praktikum Physiotherapie” sucht, bekommt Jobbörsen und Schulseiten. Was fast nirgends steht: Der größte Teil der praktischen Ausbildung ist gar nicht frei vergebbar. Er ist in einer Anlage zur Ausbildungsverordnung nach Fachgebieten aufgeteilt, und diese Aufteilung entscheidet, wo Sie überhaupt landen können.
Die Rechnung, die kaum jemand aufschreibt
Die dreijährige Ausbildung besteht aus zwei Blöcken: 2.900 Stunden theoretischer und praktischer Unterricht und 1.600 Stunden praktische Ausbildung. So steht es in § 1 Absatz 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten. Bei den verkürzten Wegen nach Absatz 2 sind es 1.400 zu 700 oder 1.000 zu 400 Stunden.
Die 1.600 Stunden sind in Anlage 1 Teil B einzeln zugewiesen:
| Fachgebiet | Stunden |
|---|---|
| Chirurgie | 240 |
| Innere Medizin | 240 |
| Orthopädie | 240 |
| Neurologie | 240 |
| Pädiatrie | 160 |
| Psychiatrie | 80 |
| Gynäkologie | 80 |
| frei auf diese Gebiete verteilbar | 240 |
| sonstige Einrichtungen, Exkursionen | 80 |
Addieren Sie die ersten sieben Zeilen: 1.280 Stunden sind gebunden. Sie müssen in Einrichtungen abgeleistet werden, die diese Fachgebiete tatsächlich abbilden — Chirurgie, Psychiatrie und Gynäkologie finden Sie nicht in einer ambulanten Praxis.
Von den 1.600 Stunden praktischer Ausbildung sind 1.280 fest an sieben Klinikfachgebiete gebunden. Für eine ambulante Praxis bleiben 320 Stunden — die 240 frei verteilbaren und die 80 für sonstige Einrichtungen.
Was bleibt, sind 320 Stunden. Die 240 frei verteilbaren und die 80 für sonstige Einrichtungen. Das ist der Teil, über den überhaupt gesprochen werden kann — und es ist ein Fünftel des Ganzen.
Was das für Ihre Suche ändert
Drei Dinge:
Erstens entscheidet die Schule, nicht die Praxis. Ob eine Einrichtung für Ihre Stunden anerkannt wird, prüft die Schule. Eine Praxis kann Ihnen einen Platz zusagen und die Schule sagt hinterher Nein. Fragen Sie deshalb in dieser Reihenfolge: erst die Schule, welche Einrichtungen sie für die freien Stunden akzeptiert, dann die Praxis.
Zweitens ist ein Praxispraktikum kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Wer ambulante Arbeit kennenlernen will — Rezepte, Taktung, Wiedervorstellung, die Gespräche zwischen zwei Behandlungen —, sieht sie in der Klinik nicht. Genau dafür sind die freien Stunden da.
Drittens ist die Zeit vor der Ausbildung der ehrlichere Test. Viele Schulen verlangen oder erwarten ein Vorpraktikum. Es beantwortet die Frage, die sich in keinem Unterricht klärt: ob Sie den ganzen Tag am Menschen arbeiten wollen, mit körperlicher Nähe, mit Zeitdruck und mit Menschen, denen es nicht gut geht.
Was ein Praktikant behandeln darf – und wo die Erlaubnispflicht schneidet
„Physiotherapeutin” und „Physiotherapeut” sind geschützte Berufsbezeichnungen. Wer eine davon führen will, „bedarf der Erlaubnis” – § 1 Absatz 1 des Masseur- und Physiotherapeutengesetzes. Die Behörde erteilt sie nach § 2 Absatz 1 erst, wenn die vorgeschriebene Ausbildung abgeleistet und die staatliche Prüfung bestanden ist und Zuverlässigkeit, gesundheitliche Eignung sowie ausreichende Deutschkenntnisse vorliegen. Wer die Bezeichnung ohne Erlaubnis führt, begeht nach § 15 eine Ordnungswidrigkeit – Geldbuße bis zu 2.500 Euro.
Für die ambulante Praxis kommt eine zweite Voraussetzung dazu, und die reicht tiefer in den Behandlungsalltag. Auf Kassenrezept darf nur abrechnen, wer nach § 124 SGB V zugelassen ist. Absatz 1 Nummer 1 verlangt „die für die Leistungserbringung erforderliche Ausbildung sowie eine entsprechende zur Führung der Berufsbezeichnung berechtigende Erlaubnis” oder einen vergleichbaren akademischen Abschluss. Welche personellen Anforderungen im Betrieb gelten, legen die Verträge nach § 125 SGB V fest; Absatz 2 Nummer 10 verpflichtet die Vertragsparteien ausdrücklich auf „personelle, räumliche und sachliche Voraussetzungen, die eine zweckmäßige und wirtschaftliche Leistungserbringung … gewährleisten”.
Eine Aufgabenliste für Praktikanten steht in keinem dieser Gesetze. Sie ergibt sich aus der Erlaubnispflicht. Möglich ist damit:
- Behandlungen begleiten und beobachten, einschließlich Anamnese und Befund
- Behandlungsraum, Material und Geräte vorbereiten, Wärmeträger und Packungen richten
- assistieren, solange der Therapeut anleitet – Lagerung, Sicherung am Gerät, Hilfe beim Transfer
- Dokumentation vorbereiten, Termine und Verordnungen ordnen
- Techniken unter Aufsicht üben, am Mitschüler oder am Patienten, der ausdrücklich einverstanden ist
- ein Eigenübungsprogramm mit dem Patienten wiederholen, während der Therapeut im Raum ist
Außerhalb bleibt, was an der Erlaubnis hängt: eine verordnete Behandlung allein durchführen und als Leistung der Praxis abrechnen; im Team oder gegenüber Patienten als Physiotherapeut bezeichnet werden; einen Befund erheben, auf den die Praxis ihre Behandlung stützt.
Diese Grenze ist auch das Interesse der Praxis: Sie haftet für die Behandlung und rechnet gegenüber der Kasse ab, was in ihrem Namen geschieht.
Geld: drei Fälle, zwei Antworten
§ 22 Absatz 1 des Mindestlohngesetzes trennt sauber:
- Pflichtpraktikum aufgrund einer schulrechtlichen Bestimmung oder einer Ausbildungsordnung — kein Mindestlohn, ohne zeitliche Grenze. Die 1.600 Stunden fallen darunter.
- Orientierungspraktikum vor Ausbildung oder Studium — bis zu drei Monaten kein Mindestlohn.
- Begleitendes Praktikum neben einer Berufs- oder Hochschulausbildung — ebenfalls bis zu drei Monaten, und nur, wenn beim selben Ausbildenden nicht schon ein solches Verhältnis bestand.
Jenseits dieser Grenzen gilt der gesetzliche Mindestlohn, seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro brutto je Stunde. Das ist kein Verhandlungsspielraum, sondern Gesetz — und es ist der Grund, warum freiwillige Praktika in der Praxis fast immer bei knapp unter drei Monaten enden.
Was danach kommt, ist eine andere Rechnung: Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt im Median bei 3.216 Euro brutto — nachgerechnet in Einstiegsgehalt nach der Ausbildung.
Eine freiwillige Vergütung ist davon unberührt. Sie steht Ihnen nicht zu, und sie ist trotzdem ein Signal: Wer Praktikanten bezahlt, ohne zu müssen, rechnet damit, dass sie bleiben.
Steuer und Sozialversicherung, wenn es Geld gibt
Steuerfrei ist eine Praktikumsvergütung nicht. Sie ist Arbeitslohn: § 19 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 EStG erfasst „Gehälter, Löhne, Gratifikationen, Tantiemen und andere Bezüge und Vorteile für eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst”. Einen eigenen Freibetrag für Praktika gibt es nicht. Was greift, ist der allgemeine Grundfreibetrag: ab dem Veranlagungszeitraum 2026 sind es 12.348 Euro Jahreseinkommen, bis zu denen die Einkommensteuer null beträgt, § 32a Absatz 1. Zieht die Praxis trotzdem Lohnsteuer ab – weil die Monatsvergütung hochgerechnet über der Grenze liegt –, holt die Einkommensteuererklärung sie zurück.
Sozialversicherung: § 5 Absatz 1 Nummer 10 SGB V ordnet der Versicherungspflicht Personen zu, „die eine in Studien- oder Prüfungsordnungen vorgeschriebene berufspraktische Tätigkeit ohne Arbeitsentgelt verrichten, längstens bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres”. Das Merkmal, an dem die Vorschrift hängt, ist „ohne Arbeitsentgelt”. Wird das Praktikum vergütet, ist sie nicht mehr der Anknüpfungspunkt, und welche Beiträge dann anfallen, richtet sich nach der Höhe der Vergütung. Eine pauschale Zahl dafür gibt es nicht.
Ein „einjähriges Praktikum” kennt die Physiotherapie nicht. § 9 MPhG: „Die Ausbildung dauert drei Jahre und besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung.” Die Erlaubnis folgt nach § 2 Absatz 1 auf Ausbildung und bestandene Prüfung. Ein Anerkennungsjahr danach steht im Gesetz nicht.
Was in eine Praktikumsbewerbung gehört
Eine Praxis entscheidet über einen Praktikumsplatz nach zwei Fragen: ob der Zeitraum in den Betrieb passt und ob der Aufwand für die Anleitung absehbar ist. Beides steht in den meisten Bewerbungen nicht. Was hineingehört:
- Zeitraum mit Datum, nicht „ab sofort” oder „im Frühjahr”
- Stundenzahl pro Woche und die Tage, an denen Sie können
- die Art des Praktikums: Pflichtstunden nach der Ausbildungsverordnung, Vorpraktikum vor der Bewerbung an einer Schule, Schülerpraktikum einer bestimmten Klassenstufe oder freiwillig
- bei Pflichtstunden: Name der Schule, Ansprechpartner dort, und ob die Schule die Praxis für diese Stunden schon anerkannt hat
- welches Papier die Schule am Ende braucht – Vertrag, Bescheinigung, Beurteilungsbogen – und bis wann
- den Masernnachweis, ohne Aufforderung beigelegt
- eine Telefonnummer, unter der Sie rangehen
An Unterlagen genügen Lebenslauf auf einer Seite, das letzte Zeugnis und ein Anschreiben von höchstens einer halben Seite. Kein Deckblatt, kein Motivationsschreiben über die Berufung zum Helfen.
Der Impfnachweis ist keine Formalie der Praxis, sondern Gesetz. § 20 Absatz 8 Infektionsschutzgesetz erfasst Personen, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind und in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1 tätig sind. Dort steht in Nummer 9: „Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe”. Eine Physiotherapiepraxis fällt darunter. Vorzulegen ist der Nachweis nach Absatz 9 vor Beginn der Tätigkeit; das Gesetz stellt auf das Tätigsein in der Einrichtung ab, nicht auf einen Arbeitsvertrag.
Ein Gesundheitszeugnis verlangt für die Physiotherapie keine Vorschrift, die sich belegen lässt. Für Minderjährige gibt es die Erstuntersuchung nach § 32 Absatz 1 JArbSchG – wer „in das Berufsleben eintritt”, braucht eine ärztliche Bescheinigung aus den letzten vierzehn Monaten. Absatz 2 nimmt davon „eine nur geringfügige oder eine nicht länger als zwei Monate dauernde Beschäftigung mit leichten Arbeiten” aus. Ein Schülerpraktikum von zwei oder drei Wochen bleibt unter dieser Grenze.
Schülerpraktikum: 14 Jahre, und ein anderes Gesetz
Ein Betriebspraktikum in der 8., 9. oder 10. Klasse läuft nicht unter dem Arbeitsrecht für Erwachsene. § 5 Absatz 1 des Jugendarbeitsschutzgesetzes verbietet die Beschäftigung von Kindern; Kind ist nach § 2 Absatz 1, wer noch nicht 15 Jahre alt ist. § 2 Absatz 3 zieht den Kreis weiter: „Auf Jugendliche, die der Vollzeitschulpflicht unterliegen, finden die für Kinder geltenden Vorschriften Anwendung.” Eine 16-Jährige in der Schule wird also nach den Kinderregeln behandelt.
Das Betriebspraktikum ist die Ausnahme vom Verbot. § 5 Absatz 2 Nummer 2 nennt es ausdrücklich – „im Rahmen des Betriebspraktikums während der Vollzeitschulpflicht” – und erklärt dafür § 7 Satz 1 Nummer 2 und die §§ 9 bis 46 für entsprechend anwendbar. In dieser Aufzählung fehlt § 8, die Vorschrift über die Dauer der Arbeitszeit. Eine eigene Stundenobergrenze für das Betriebspraktikum steht damit nicht im Gesetz; den Rahmen setzt die Schule.
Was greift, ist der Rest des Katalogs:
- § 14 Absatz 1: „Jugendliche dürfen nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden.”
- § 11: im Voraus feststehende Ruhepausen von angemessener Dauer, frühestens eine Stunde nach Beginn und spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit
- §§ 15 bis 17: Fünf-Tage-Woche, Samstagsruhe, Sonntagsruhe
- § 22: die Beschränkungen für gefährliche Arbeiten
Für eine Praxis, die Nachwuchs sucht, ist das die früheste Berührung mit dem Beruf, die überhaupt möglich ist – Jahre vor der ersten Bewerbung an einer Schule. Zu sehen ist in zwei Wochen vor allem der Takt: wie viele Patienten am Tag kommen, wie eine Behandlung vorbereitet und dokumentiert wird, wie lange ein Gespräch dauert.
Beurteilung und Bericht
Für die Ausbildungspraktika schreibt die Verordnung genau ein Dokument vor. § 1 Absatz 4 PhysTh-APrV: „Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen nach Absatz 1 oder 2 ist durch eine Bescheinigung nach dem Muster der Anlage 4 nachzuweisen.” Nach § 4 ist diese Bescheinigung Zulassungsvoraussetzung für die staatliche Prüfung. Ausstellerin ist die Schulleitung. Das Muster kreuzt an, dass Unterricht und praktische Ausbildung regelmäßig und mit Erfolg besucht wurden, und schlüsselt weder Fachgebiete noch Stunden auf.
Eine Note für das einzelne Praktikum, ein Praktikumsbericht, ein Beurteilungsbogen für die Praxis: nichts davon steht in der PhysTh-APrV. Diese Anforderungen stellt die Schule, und sie fallen von Schule zu Schule anders aus. Holen Sie den Bogen vor dem ersten Tag ein und legen Sie ihn der Praxis auf den Tisch. Wer am letzten Tag ein Formular hervorzieht, das nach Wochenprotokollen fragt, hat keine.
Was Sie in einem Praktikum prüfen sollten
Sie sind dort, um zu lernen — und um herauszufinden, ob Sie in so einem Betrieb arbeiten wollen. Vier Fragen, die sich nur vor Ort beantworten lassen:
- Wie lang ist eine Behandlung wirklich? Nicht, was auf dem Rezept steht, sondern was zwischen zwei Patienten übrig bleibt.
- Behandelt jemand allein in einem Raum oder drei nebeneinander? Das entscheidet über die Qualität dessen, was Sie sehen.
- Wer beantwortet Ihre Fragen — und wann? Eine Praxis ohne Zeit für Anleitung gibt Ihnen Stunden, aber keine Ausbildung. Wie eng die Taktung im Alltag wirklich ist, steht in Arbeitszeiten in der Physiotherapie.
- Was passiert mit Fortbildung? Fragen Sie, wer im Team welche Zertifikate hat und wer sie bezahlt hat. Die Antwort sagt mehr über den Betrieb als jede Selbstdarstellung. Welche sich rechnen, haben wir in Zertifikate, die sich rechnen durchgerechnet.
Für die Region Marburg
Zwei Schulen bilden hier aus: die Lehranstalt für Physiotherapie Rudolf-Klapp-Schule am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, staatlich anerkannt seit 1929, und die Ludwig Fresenius Schulen am Standort Marburg.
Physio Havacker liegt in Wetter (Hessen), rund 15 Kilometer nördlich, mit Bahnanschluss über die Main-Weser-Bahn. Die Praxis arbeitet auf 260 Quadratmetern mit Einzelbehandlungsräumen, Gymnastikraum, Trainingsbereich und Bäderabteilung — Krankengymnastik, Massage, Lymphdrainage, Elektro-, Wärme- und Kältetherapie, dazu Sportphysiotherapie und CMD in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Zahnärzten.
Wer einen Platz für die frei verteilbaren Stunden oder ein Orientierungspraktikum sucht, fragt am besten direkt: 06423 / 92158. Klären Sie vorher mit Ihrer Schule, welche Einrichtungen sie anerkennt — das erspart beiden Seiten die Absage im zweiten Schritt.
Und wenn die Ausbildung schon hinter Ihnen liegt: Die Praxis besetzt zwei Stellen, eine in Voll- oder Teilzeit mit 3.800 Euro brutto bei Vollzeit und eine auf 538-Euro-Basis. Berufserfahrung ist bei beiden keine Voraussetzung.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden Praktikum umfasst die Physiotherapie-Ausbildung?
Die dreijährige Ausbildung umfasst nach § 1 Absatz 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten 2.900 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht und 1.600 Stunden praktische Ausbildung. Bei den verkürzten Ausbildungen nach § 1 Absatz 2 sind es 1.400 zu 700 Stunden beziehungsweise 1.000 zu 400 Stunden.
Wie verteilen sich die 1.600 Stunden auf die Fachbereiche?
Anlage 1 Teil B der Verordnung schreibt vor: je 240 Stunden Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie, 160 Stunden Pädiatrie, je 80 Stunden Psychiatrie und Gynäkologie. Dazu kommen 240 Stunden, die frei auf diese Gebiete verteilt werden dürfen, und 80 Stunden in sonstigen Einrichtungen oder Exkursionen. Fest gebunden sind damit 1.280 Stunden.
Kann ich mein Praktikum in einer ambulanten Praxis machen?
Für einen Teil davon. Die sieben Fachgebiete sind an Einrichtungen gebunden, die sie abbilden können – das sind in der Regel Kliniken. Verhandelbar sind die 240 frei verteilbaren Stunden und die 80 Stunden für sonstige Einrichtungen, zusammen 320. Ob eine bestimmte Praxis dafür in Frage kommt, entscheidet die Schule, nicht die Praxis.
Bekomme ich im Physiotherapie-Praktikum den Mindestlohn?
Im Pflichtpraktikum nicht. § 22 Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 des Mindestlohngesetzes nimmt Praktika aus, die aufgrund einer schulrechtlichen Bestimmung oder einer Ausbildungsordnung verpflichtend sind – ohne zeitliche Grenze. Ein freiwilliges Orientierungs- oder begleitendes Praktikum ist bis zu drei Monaten ausgenommen; ab dem ersten Tag darüber hinaus gilt der gesetzliche Mindestlohn, seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro brutto je Stunde.
Lohnt sich ein Praktikum vor der Ausbildung?
Für die Bewerbung an vielen Schulen ist es ohnehin verlangt oder gern gesehen, und es beantwortet eine Frage, die sich im Unterricht nicht klärt: ob der Takt, die körperliche Belastung und der ständige Kontakt zu fremden Menschen zu Ihnen passen. Bis zu drei Monaten fällt dafür kein Mindestlohn an – wer länger bleibt, wird bezahlt.
Welche Aufgaben hat ein Praktikant in der Physiotherapie?
Begleiten und beobachten, Behandlungsraum und Material vorbereiten, unter Anleitung assistieren, Dokumentation und Rezepte ordnen, Techniken unter Aufsicht üben. Was nicht dazugehört, folgt aus § 1 Absatz 1 des Masseur- und Physiotherapeutengesetzes: Die Berufsbezeichnung ist erlaubnispflichtig. Eine verordnete Behandlung allein durchführen und als Leistung der Praxis abrechnen kann ein Praktikant deshalb nicht – die Zulassung der Praxis nach § 124 SGB V hängt an Ausbildung und Erlaubnis der behandelnden Person.
Was gehört in eine Bewerbung für ein Praktikum in der Physiotherapie?
Zeitraum mit Datum, Stundenzahl pro Woche, die Art des Praktikums – Pflichtstunden nach der Ausbildungsverordnung, Vorpraktikum, Schülerpraktikum oder freiwillig – und bei Pflichtstunden der Name der Schule samt Auskunft, ob sie die Praxis anerkennt. Dazu der Masernnachweis nach § 20 Absatz 8 Infektionsschutzgesetz, Lebenslauf auf einer Seite, das letzte Zeugnis und eine Telefonnummer. Ein Anschreiben über die Berufung braucht niemand.
Was gilt für ein Schülerpraktikum in einer Physiotherapiepraxis?
Das Jugendarbeitsschutzgesetz. § 5 Absatz 1 verbietet die Beschäftigung von Kindern, § 5 Absatz 2 Nummer 2 nimmt das Betriebspraktikum während der Vollzeitschulpflicht davon aus. Über § 2 Absatz 3 gelten die Kinderregeln auch für schulpflichtige 15- bis 17-Jährige. Anwendbar sind § 7 Satz 1 Nummer 2 und die §§ 9 bis 46 – also Nachtruhe von 6 bis 20 Uhr, Ruhepausen, Fünf-Tage-Woche und das Verbot gefährlicher Arbeiten. § 8 zur Arbeitszeitdauer steht nicht in dieser Liste.
Ist die Vergütung im Praktikum steuerfrei?
Nein. Eine Praktikumsvergütung ist Arbeitslohn nach § 19 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 Einkommensteuergesetz, einen eigenen Praktikumsfreibetrag gibt es nicht. Was greift, ist der Grundfreibetrag: ab dem Veranlagungszeitraum 2026 beträgt die Einkommensteuer bis 12.348 Euro Jahreseinkommen null, § 32a Absatz 1. Zieht die Praxis Lohnsteuer ab, weil die Monatsvergütung hochgerechnet über der Grenze liegt, holt die Einkommensteuererklärung sie zurück.
Wo gibt es in der Region Marburg Physiotherapie-Schulen?
Zwei: die Lehranstalt für Physiotherapie Rudolf-Klapp-Schule am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, staatlich anerkannt seit 1929, und die Ludwig Fresenius Schulen am Standort Marburg. Wetter (Hessen) liegt rund 15 Kilometer entfernt, mit Bahnanschluss über die Main-Weser-Bahn.
Quellen
- [1] § 1 Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Physiotherapeuten (PhysTh-APrV): Dauer und Gliederung der Ausbildung — Bundesministerium der Justiz, Verordnung vom 6. Dezember 1994 (abgerufen zuletzt geändert 2016, abgerufen 24.09.2026)
- [2] Anlage 1 PhysTh-APrV, Teil B: Praktische Ausbildung – Verteilung der 1.600 Stunden auf die Fachgebiete — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [3] § 22 Mindestlohngesetz: Persönlicher Anwendungsbereich, Ausnahmen für Praktika — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [4] Schule für Physiotherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (Rudolf-Klapp-Schule) — Universitätsklinikum Gießen und Marburg (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [5] Ludwig Fresenius Schulen Marburg, Ausbildung Physiotherapie — Ludwig Fresenius Schulen (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [6] § 1 Masseur- und Physiotherapeutengesetz: Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [7] § 2 MPhG: Voraussetzungen der Erlaubnis – Ausbildung, Prüfung, Zuverlässigkeit, gesundheitliche Eignung, Sprachkenntnisse — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [8] § 9 MPhG: Dauer und Gliederung der Ausbildung zum Physiotherapeuten (drei Jahre, kein Anerkennungsjahr) — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [9] § 15 MPhG: Bußgeldvorschriften – bis zu 2.500 Euro für das unbefugte Führen der Berufsbezeichnung — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [10] § 124 SGB V: Zulassung zur Heilmittelversorgung – Ausbildung und Erlaubnis als Voraussetzung — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [11] § 125 SGB V: Verträge über die Heilmittelversorgung, Absatz 2 Nummer 10 zu personellen Voraussetzungen — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [12] § 5 SGB V: Versicherungspflicht, Absatz 1 Nummer 10 zur vorgeschriebenen berufspraktischen Tätigkeit ohne Arbeitsentgelt — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [13] § 19 Einkommensteuergesetz: Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [14] § 32a EStG: Einkommensteuertarif, Grundfreibetrag 12.348 Euro ab Veranlagungszeitraum 2026 — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [15] § 20 Infektionsschutzgesetz: Masernimpfnachweis für Tätige in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [16] § 23 IfSG: Absatz 3 Satz 1 Nummer 9 – Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [17] § 2 Jugendarbeitsschutzgesetz: Kind, Jugendlicher, Vollzeitschulpflicht — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [18] § 5 JArbSchG: Verbot der Beschäftigung von Kindern, Absatz 2 Nummer 2 zum Betriebspraktikum — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [19] § 11 JArbSchG: Ruhepausen, Aufenthaltsräume — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [20] § 14 JArbSchG: Nachtruhe – Beschäftigung nur von 6 bis 20 Uhr — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [21] § 32 JArbSchG: Erstuntersuchung, Ausnahme für kurze Beschäftigungen mit leichten Arbeiten — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [22] § 4 PhysTh-APrV: Zulassung zur Prüfung, Vorlage der Bescheinigung nach § 1 Absatz 4 — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
- [23] Anlage 4 PhysTh-APrV: Muster der Bescheinigung über die Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen — Bundesministerium der Justiz (abgerufen abgerufen 24.09.2026)
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