Vom Brutto zum Netto: die Gehaltsrechnung 2026
Vom Medianentgelt bleiben in Steuerklasse I gut zwei Drittel übrig. Dieser Artikel zeigt jeden einzelnen Abzug mit dem Satz, der 2026 dafür gilt – und rechnet vor, welche Hebel danach noch etwas bewegen.
Von 3.452 Euro brutto bleiben in Steuerklasse I 2.306,77 Euro. Die 3.452 Euro sind das Medianentgelt, das die Bundesagentur für Arbeit im Entgeltatlas für den Beruf Physiotherapeut/in ausweist – Vollzeit, Deutschland, Datenstand 2025. Die Differenz von 1.145,23 Euro sehen Sie nie auf dem Konto.
Wo dieses Geld hingeht, lässt sich auf den Cent nachrechnen. Brutto-Netto-Rechner tun das auch, nennen aber selten ihre Annahmen: Kinderlosenzuschlag ja oder nein, welcher Zusatzbeitrag, welche Steuerklasse, welche Freibeträge. Hier steht jede Annahme offen, damit Sie Ihre eigene Zahl daneben legen können.
Welche Sätze 2026 gelten und wofür
Vier Sozialversicherungsbeiträge, danach die Steuer. Die Beitragssätze gelten bundesweit, die Beitragsbemessungsgrenzen deckeln den Teil des Gehalts, auf den überhaupt Beiträge anfallen.
| Beitrag | Satz gesamt 2026 | Ihr Anteil | Bemessungsgrenze im Monat |
|---|---|---|---|
| Krankenversicherung | 14,6 % + 2,9 % durchschnittlicher Zusatzbeitrag | 8,75 % | 5.812,50 € |
| Pflegeversicherung | 3,6 %, kinderlos zzgl. 0,6 % | 1,8 %, kinderlos 2,4 % | 5.812,50 € |
| Rentenversicherung | 18,6 % | 9,3 % | 8.450 € |
| Arbeitslosenversicherung | 2,6 % | 1,3 % | 8.450 € |
Für Kinderlose ab 23 ergibt das 21,75 Prozent vom Brutto. Der Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten in der Pflegeversicherung geht allein zu Ihren Lasten, alles andere teilen Sie hälftig mit dem Arbeitgeber. Wer mehrere Kinder unter 25 hat, zahlt vom zweiten bis zum fünften Kind je 0,25 Beitragssatzpunkte weniger.
Der Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent ist der Durchschnittswert, den das Bundesgesundheitsministerium für 2026 bekannt gegeben hat. Ihre Kasse kann darüber oder darunter liegen – das ist die eine Stellschraube in dieser Tabelle, die Sie durch einen Kassenwechsel selbst bewegen können.
Bei Angestellten in der Physiotherapie greift keine einzige Beitragsbemessungsgrenze. Netto entscheiden allein der volle Beitragssatz von 21,75 Prozent und die Steuerklasse.
Drei Bruttowerte, zwei Steuerklassen, alle Abzüge
Die drei Ausgangswerte sind unteres Quartil, Median und oberes Quartil aus dem Entgeltatlas. Die Lohnsteuer ist mit dem amtlichen Programmablaufplan des Bundesfinanzministeriums für 2026 gerechnet, für eine kinderlose Person ohne eingetragene Freibeträge und ohne Kirchensteuer.
| Monat | 2.928 € brutto | 3.452 € brutto | 4.062 € brutto |
|---|---|---|---|
| Sozialabgaben | 636,83 € | 750,82 € | 883,50 € |
| Lohnsteuer Klasse I | 277,41 € | 394,41 € | 539,75 € |
| Solidaritätszuschlag | 0 € | 0 € | 0 € |
| Netto Klasse I | 2.013,76 € | 2.306,77 € | 2.638,75 € |
| Lohnsteuer Klasse III | 26,00 € | 102,16 € | 213,83 € |
| Netto Klasse III | 2.265,17 € | 2.599,02 € | 2.964,67 € |
In Steuerklasse I kommen 68,8, 66,8 und 65,0 Prozent des Bruttos an. Die Netto-Quote fällt, obwohl die Sozialabgaben prozentual konstant bleiben – das macht allein der progressive Steuertarif nach § 32a EStG. Von jedem zusätzlichen Bruttoeuro auf Höhe des Medians landen rund 55 Cent bei Ihnen. Eine Gehaltserhöhung um 100 Euro bringt netto gut 55 Euro, für 50 Euro mehr netto brauchen Sie rund 91 Euro mehr brutto.
Kommt Kirchensteuer dazu, sind es in Hessen neun Prozent der Lohnsteuer: 24,97, 35,50 beziehungsweise 48,58 Euro im Monat. Wie die drei Ausgangswerte zustande kommen und warum das untere Quartil kein Einstiegsgehalt ist, steht in der Rechnung zum Berufseinstieg; was die Bewegung vom Median nach oben kostet und einbringt, im Text über Zertifikate, die sich rechnen.
Warum in keiner dieser Zeilen ein Soli steht
Der Solidaritätszuschlag wird nach § 3 Absatz 3 Solidaritätszuschlaggesetz erst erhoben, wenn die Bemessungsgrundlage 20.350 Euro übersteigt, bei Zusammenveranlagung 40.700 Euro. Verglichen wird dabei mit der Lohnsteuer selbst. Beim höchsten Wert in der Tabelle liegt die Jahreslohnsteuer in Klasse I bei rund 6.477 Euro – ein knappes Drittel der Freigrenze.
Für angestellte Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ist der Soli damit erledigt, mit Zulagen ebenso wie in Teilzeit. Steht er trotzdem auf Ihrer Abrechnung, stimmt etwas mit den Lohnsteuerabzugsmerkmalen nicht.
Steuerklasse III bringt kein Geld, sie verschiebt es
Der Sprung von 2.306,77 auf 2.599,02 Euro sieht nach 292 Euro Gewinn aus. Er ist keiner. Die Steuerklasse regelt ausschließlich, wie viel Lohnsteuer Ihr Arbeitgeber monatlich vorab einbehält. Die endgültige Jahressteuer entsteht bei der Veranlagung, und wer die Kombination III/V wählt, ist nach § 46 Absatz 2 Nummer 3a EStG zur Steuererklärung verpflichtet. Was in Klasse III zu wenig einbehalten wurde, zahlt der Haushalt später nach – meist zusammen mit dem, was der Partner in Klasse V zu viel gezahlt hat.
Wirklich relevant wird die Steuerklasse an einer anderen Stelle: bei Lohnersatzleistungen, die am Netto hängen. Das Arbeitslosengeld etwa bemisst sich nach § 153 SGB III an einem Leistungsentgelt, in das die Lohnsteuer nach Ihrer Steuerklasse zu Jahresbeginn eingerechnet wird. Wer Elternzeit, längere Krankheit oder eine Lücke zwischen zwei Stellen vor sich hat, entscheidet mit der Steuerklasse über die Höhe dieser Leistungen. Wer nichts davon plant, verschiebt mit der Klassenwahl nur Zahlungstermine.
Vier Hebel, die netto etwas ändern
- Fahrtweg. Seit dem 1. Januar 2026 gelten 0,38 Euro je Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer, vorher galt dieser Satz erst ab dem 21. Kilometer. Wir rechnen mit 220 Arbeitstagen im Jahr; das Gesetz nennt dafür keine feste Zahl. Damit ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro ab knapp 15 Kilometern einfacher Entfernung ausgeschöpft. Wer 25 Kilometer fährt, kommt auf 2.090 Euro und liegt 860 Euro darüber. Beim Mediangehalt sind das rund 247 Euro weniger Steuer im Jahr.
- Fortbildung. Kurskosten, Prüfungsgebühren, Fahrten und Übernachtungen sind Werbungskosten nach § 9 Absatz 1 EStG. Sie wirken erst oberhalb der 1.230 Euro, dann aber mit Ihrem Grenzsteuersatz – beim Median knapp 29 Prozent. In dem Jahr, in dem Fahrtweg und Fortbildung zusammenkommen, holen Sie den größten Teil zurück. In dem Jahr, in dem nur die Pauschale läuft, gar nichts.
- Steuerfreie Leistungen statt Gehalt. Sachbezüge bis 50 Euro im Monat bleiben nach § 8 Absatz 2 Satz 11 EStG außer Ansatz, brutto ist hier gleich netto. Ein Zuschuss zum Nahverkehrsticket ist nach § 3 Nummer 15 EStG steuerfrei, mindert aber die Entfernungspauschale; ein Fahrtkostenzuschuss fürs Auto lässt sich nach § 40 Absatz 2 Satz 2 EStG mit 15 Prozent pauschal versteuern. Die 50-Euro-Karte ist im Ergebnis so viel wert wie rund 91 Euro mehr Gehalt.
- Betriebliche Altersversorgung. 2026 sind Beiträge bis 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, das sind 676 Euro im Monat; beitragsfrei in der Sozialversicherung sind davon 4 Prozent, also 338 Euro. Wandelt man Entgelt um, schuldet der Arbeitgeber nach § 1a Absatz 1a BetrAVG einen Zuschuss von 15 Prozent des umgewandelten Betrags, soweit er selbst Sozialversicherungsbeiträge spart. Das steht im Gesetz – fragen Sie im Vorstellungsgespräch danach.
Alles in dieser Liste ist Verhandlungssache mit dem Arbeitgeber oder Sache Ihrer Steuererklärung. Keiner dieser Hebel steht in der Gehaltstabelle, und keiner taucht in einem Brutto-Netto-Rechner auf.
Was das für eine Bewerbung heißt
Bevor Sie zwei Bruttozahlen vergleichen, rechnen Sie den Fortbildungsetat und die steuerfreien Bausteine dazu. Ein Sachbezug von 50 Euro im Monat entspricht netto rund 91 Euro mehr Gehalt. Ein Arbeitgeber, der Ihre Kurskosten trägt, deckt davon 100 Prozent ab – über die Steuererklärung bekommen Sie knapp 29 Prozent zurück.
Physio Havacker in Wetter sucht eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten, Voll- oder Teilzeit ab 15 Stunden in der Woche, Voraussetzung ist die Manuelle Lymphdrainage. Fortbildung wird gefördert – was in der Rechnung oben Punkt 2 ist. Was zur Stelle gehört und wie der Arbeitstag hier aussieht, steht auf der Seite zur offenen Stelle.
Häufige Fragen
Wie viel netto bleibt von 3.452 Euro brutto als Physiotherapeut?
In Steuerklasse I, kinderlos, ohne Kirchensteuer bleiben 2.306,77 Euro. Davon gehen 750,82 Euro als Arbeitnehmeranteil an die Sozialversicherung und 394,41 Euro als Lohnsteuer ab. Solidaritätszuschlag fällt nicht an. In Steuerklasse III sind es 2.599,02 Euro, weil die Lohnsteuer dort nur 102,16 Euro beträgt. Gerechnet mit dem Programmablaufplan des Bundesfinanzministeriums für 2026 und einem Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent.
Wie hoch sind die Sozialabgaben 2026 für Angestellte?
Der Arbeitnehmeranteil beträgt 2026 zusammen 21,75 Prozent des Bruttolohns, wenn Sie kinderlos und über 23 sind: 9,3 Prozent Rentenversicherung, 8,75 Prozent Krankenversicherung bei durchschnittlichem Zusatzbeitrag, 2,4 Prozent Pflegeversicherung mit Kinderlosenzuschlag und 1,3 Prozent Arbeitslosenversicherung. Mit Kindern sinkt der Pflegeanteil auf 1,8 Prozent, ab dem zweiten Kind unter 25 weiter.
Zahlen Physiotherapeuten Solidaritätszuschlag?
In aller Regel nicht. Der Zuschlag wird erst erhoben, wenn die Jahreslohnsteuer 20.350 Euro übersteigt, in Steuerklasse III sind es 40.700 Euro. Bei 4.062 Euro Monatsbrutto liegt die Jahreslohnsteuer in Steuerklasse I bei rund 6.477 Euro und damit weit darunter. Wer den Soli auf einer Abrechnung findet, sollte die Lohnsteuerabzugsmerkmale prüfen lassen.
Bringt die Steuerklasse III mehr Geld?
Monat für Monat ja, im Jahr nicht. Die Steuerklasse steuert nur, wie viel Lohnsteuer vorab einbehalten wird. Die endgültige Steuer entsteht erst bei der Veranlagung, und bei der Kombination III/V ist die Steuererklärung nach § 46 Absatz 2 Nummer 3a EStG ohnehin Pflicht. Relevant ist die Klasse dort, wo Lohnersatzleistungen am Netto hängen: Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld.
Welche Arbeitgeberleistungen bleiben steuer- und abgabenfrei?
Sachbezüge bis 50 Euro im Monat bleiben nach § 8 Absatz 2 Satz 11 EStG außer Ansatz. Zuschüsse zum Nahverkehrsticket sind nach § 3 Nummer 15 EStG steuerfrei, mindern aber die Entfernungspauschale. Bei der betrieblichen Altersversorgung sind 2026 bis zu 338 Euro im Monat steuer- und beitragsfrei, bis 676 Euro steuerfrei. Entgeltumwandlung verpflichtet den Arbeitgeber zu 15 Prozent Zuschuss.
Ab wie vielen Kilometern lohnt sich die Pendlerpauschale?
Seit dem 1. Januar 2026 gelten 0,38 Euro je Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer. Bei 220 angesetzten Arbeitstagen ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro damit ab knapp 15 Kilometern einfacher Entfernung ausgeschöpft. Erst was darüber liegt, senkt die Steuer – und nur, wenn keine steuerfreien Fahrtkostenzuschüsse gegengerechnet werden.
Quellen
- [1] Entgeltatlas: Physiotherapeut/in — Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Datenstand Entgeltatlas 2025 (abgerufen 27.07.2026)
- [2] Beitragsbemessungsgrenzen 2026 — Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (abgerufen 27.07.2026)
- [3] Die Sozialversicherungsrechengrößen 2026 — Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (abgerufen 27.07.2026)
- [4] Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung — Bundesministerium für Gesundheit (abgerufen 27.07.2026)
- [5] Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung — Bundesministerium für Gesundheit (abgerufen 27.07.2026)
- [6] § 32a EStG – Einkommensteuertarif — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [7] Programmablaufplan für die maschinelle Berechnung der Lohnsteuer 2026 (XML-Pseudocode) — Bundesministerium der Finanzen / ITZBund (abgerufen 27.07.2026)
- [8] § 3 und § 4 Solidaritätszuschlaggesetz 1995 — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [9] § 9 EStG – Werbungskosten und Entfernungspauschale — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [10] § 9a EStG – Arbeitnehmer-Pauschbetrag — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [11] Bürgerinnen und Bürger gezielt entlasten – Steueränderungsgesetz 2025 — Bundesministerium der Finanzen (abgerufen 27.07.2026)
- [12] § 3 EStG – Steuerfreie Einnahmen (Nummer 15 und Nummer 63) — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [13] § 8 EStG – Einnahmen (Sachbezugsfreigrenze) — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [14] § 40 EStG – Pauschalierung der Lohnsteuer — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [15] § 1 SvEV – Dem Arbeitsentgelt nicht zuzurechnende Zuwendungen — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [16] § 1a BetrAVG – Anspruch auf Entgeltumwandlung — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [17] § 46 EStG – Veranlagung bei Bezug von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [18] § 153 SGB III – Leistungsentgelt — Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de (abgerufen 27.07.2026)
- [19] Landeskirchensteuerbeschluss für das Jahr 2026 vom 26. November 2025, Amtsblatt der EKHN 2026 Nr. 1, S. 5 — Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (abgerufen 27.07.2026)
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